Made in China 2025

Es hilft nicht, die Augen davor zu verschließen, dass China ungebremst auf dem Vormarsch ist, als größte Industrienation und Wirtschaftsmacht die Nummer eins zu werden. 

Seit Jahren warne ich persönlich aus verschiedenen Gründen davor, dass eine überzogene China-Euphorie Grundlage vieler strategischen Planungen langfristiger Unternehmensentwicklungen werden sollte. In meinen Augen war es blauäugig gewesen zu denken, dass sich ein Schwellenland wie China mit sogenannten dynamischen Entwicklungshilfen aus dem Westen zufrieden gibt, ein für allemal dem Rest der Welt als längste Werkbank zu dienen und dabei billigend in Kauf nehmen zu müssen, dass es sich mit einen minimalen Anteil an der preislichen Wertschöpfung zufrieden geben muss.

Mit Corona aktuell und mit den ehrgeizigen Plänen von Xi Jinping muss für eine langfristige und nachhaltige Unternehmensentwicklung grundlegend umgedacht werden, damit die Weichen noch rechtzeitig gestellt werden können. Neue Erfolgsfaktoren unter wesentlich stärkerer Berücksichtigung des globalen politischen Geschehens sollten sich jetzt schnellsten in den Köpfen aller Verantwortlichen etablieren. China wird für den privatwirtschaftlichen Sektor nicht mehr der Erfolgstreiber Nummer eins bleiben. 

Droht deutschen Unternehmen das Ende vom chinesischen Märchen?

Die Zeichen stehen ungünstig, auch wenn man politisch eine stabile Beziehung auf unbestimmte Zeit anstrebt, weil Deutschland neben globalen diplomatischen Interessen mit einigen öffentlichen Aufträgen bzw. Projekten analog zu Nordstream2 ebenfalls eine hohe Abhängigkeit zu China aufgebaut hat. Die deutsche Regierung wird bis auf Weiteres einen Teufel tun, die notwendigen privatwirtschaftlichen Rahmenbedingungen neu zu verhandeln, die ein global Fair Trade mit China möglich machen würde, dafür lieber ein zunehmender Würgegriff für deutsche Unternehmen billigend in Kauf genommen wird.

Spätestens mit Corona sehen wir als privatwirtschaftlich handelnde Unternehmerschaft, dass die einseitigen Abhängigkeiten in wichtigen bis lebensnotwendigen Lieferketten zu einem wirtschaftlichen Vabanque-Spiel geworden sind, die Schlüsselbranchen wie z. B. unser Gesundheitswesen ins Mark treffen und in Verlängerung unser zivile Gesundheitsversorgung akut gefährden kann. Nicht wenige Mittelständler mit Focus auf asiatische Lieferketten müssen darüber klagen, dass die Auftragsbücher zwar voll sind, sie aber nicht lieferfähig sind. Unternehmen, die sich auf Just-in-Time verlagert haben, wurden in der Corona-Krise aufgrund der Lieferantenengpässe aus Asien gezwungen, Betriebsstätten vorübergehend zu schließen. 

Das Kalkül für Unternehmen, dass sich die Auslagerung von Produktionskosten nach China als langzeitstabiler Kostensenker bewähren könnte, geht zwischenzeitlich auch nicht mehr auf, weil sich die Lohnkosten in China ungebremst nach oben entwickeln werden. Das ist von China auch so gewollt, um die eigene Binnennachfrage nach höherwertigeren Gütern Made in China 2025 stärken zu können. Dennoch werden chinesische Produkte im internationalen Vergleich solange relativ günstig bleiben, bis die chinesische Wirtschaft durch die Bank weg die internationalen und vorneweg europäischen Quality Standards erreicht haben werden, woran von chinesischer Seite mit Hochdruck gearbeitet wird. Ganz sicher wird China Hoheitsrechte, die sie sich als ursprünglich billiger Produktionsstandort erarbeitet hat, nicht mehr abgeben. Ein eindrucksvolles Beispiel ist die Pharmaindustrie, die sie nicht aus der Hand geben werden, sondern an einem maximalen Quality Standard arbeiten und innovativ voranmarschieren werden. Es wird der deutschen bzw. europäischen Pharmaindustrie nichts anderes übrigbleiben, als neue Fabriken hier vor Ort zu bauen, vorausgesetzt, dass überhaupt noch ausreichend Zugriff auf die benötigten Rohstoffe besteht.  

Ein zweites Abhängigkeitsszenario droht zwischenzeitlich von der Marktseite her. Deutsche Unternehmen sind hinsichtlich ihrer Ergebnisse auf hohe Absatz- und Umsatzvolumina in China angewiesen, die mit Made in China 2025 einbrechen könnten. Konkret kann das bedeuten, dass China mit seiner geplanten binnenwirtschaftlichen Unabhängigkeit mit Importen buchstäblich spielen könnte. Auch wenn sicher die Marktzugänge nicht bewusst blockiert werden, Made in China 2025 wird zu einer ernstzunehmenden Herausforderung werden, die frühzeitig überlegt werden muss. 

Auch wenn Fakt ist, dass China in einigen Sparten dem internationalen Standard noch hinterherhinkt und Nachholbedarf hat, dann sollte aus schierer Not nicht auch noch nach diesem Strohhalm gegriffen und die letzten Know-how Pfründe verscherbelt werden müssen.

Politics follows economics

Es waren immer die wirtschaftlichen Pioniere, die infolge ihrer mutigen Schritte politische, wirtschaftliche und geografische  Zeichen für die Zukunft gesetzt haben. Wir sitzen derzeit in einer ökonomischen Zwickmühle. Es hilft nichts, über eine verpasste Weitsichtigkeit in der Vergangenheit zu jammern. Politisch waren wir die letzten 20 Jahre eben zu sehr daran gewöhnt, dass ein „Weiter so“ gleichsam Advokat Anwalts Liebling ist und uns das Bewusstsein gestärkt hat, dass wir unsere ökonomischen Ansprüche vor jedem ökonomischen Tribunal durchsetzen könnten.

Vier volle Jahre bleiben uns noch, in denen wir lernen sollten – einen wahrhaftigen innerdeutschen und innereuropäischen Zusammenhalt auf- und auszubauen. Das politische Mantra des gemeinsamen Handelns sollte jetzt auch an der praktischen Front eines jeden Unternehmens angekommen sein und zu einer maximalen Kooperationsfähigkeit auf deutschen bzw. europäischen Rechtsboden und gemeinsamen europäischen Wirtschaftsterrains führen. Paradoxer Weise bewegen wir uns wesentlich mutiger in außereuropäischen Rechts- und Wirtschaftsräumen, in denen die Rechtssicherheit lediglich einen Bruchteil beträgt, die ein hohes wirtschaftliches Risiko bedeuten und zusätzliche unerwünschte Nebenwirkungen wie Korruption etc. billigend in Kauf genommen werden müssen. 

Kleinere, aber umso wertvollere Brötchen backen?

Made in China 2025 wird uns mit all seinen Begleiterscheinungen vor die Füße fallen. Ein technologischer Marathonlauf Made in Germany wird die Wettbewerbssituation zu China nicht entspannen, wenn wir uns gleichzeitig ihrer Standortvorteile bedienen. Das würde nach wie vor einer Werkspionage gleichkommen. Kostenführerschaft ist ein internes Problem, Preisführerschaft eine strategische Wettbewerbsfrage auf dem Weltmarkt. Wer mutig die Gedankenkette zu Ende denkt, wird für den Fortbestand seines Unternehmens in Abhängigkeit der globalen Entwicklung die heimischen Vorteile wieder zu schätzen wissen. 

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