Hat die deutsche Automobilzulieferindustrie für die deutschen Autobauer ausgedient?

Mit dem am Wochenende in Kraft getretenen Pakt RCEP (Regional Comprehensive Economic Partnership), dem unter der Führung von China 14 weitere Staaten inklusive Neuseeland und Australien beigetreten sind, zeigt sich vollends, wohin die Globalisierungsreise der deutschen Automobilhersteller geht.

Immerhin ist mit RCEP (Regional Comprehensive Economic Partnership) die größte Freihandelszone entstanden und es wundert nicht, wenn z. B. BMW und Daimler in China ihre Aktivitäten verstärken wollen.
BMW hat ankündigt, dass für sie China massiv an Bedeutung gewinnen werde. In China besitzt BMW zwei große Werke und kleinere Montagestandorte in Thailand, die zusammen zukünftig zur Exportbasis für ganz Südostasien ausgebaut werden könnten. Der Markterfolg in China mit einem doppelten Absatz als in den USA beflügelt diese Absichten.

Die Entscheidung scheint für Asien schneller gefallen zu sein, als es der Politik lieb sein kann.

Auch Daimler geht jetzt ganz offen weiter nach Fernost. Der derzeitige Daimler-Chef Kallenius hat sich für eine enge Kooperatation mit dem größten Daimler-Einzelaktionär aus Fernost Geely entschieden. Die beiden Fahrzeughersteller werden ab 2024 gemeinsam Hunderttausende von Ottomotoren pro Jahr produzieren. Während sich Daimler weiterhin die Hoheitsrechte an Entwicklungen und Design sichert, übernimmt der Partner Geely aus China die Produktionshoheit vor Ort. Längerfristige Kooperationsbestrebungen soll es sowohl für gemeinsame Entwicklungen von Antrieben als auch die Fertigung geben.Die Entwicklung von Antrieben in China wird großen deutschen Zulieferern schwer zu schaffen machen und in Folge auch deren Zulieferbetrieben. Das Modell Smart soll komplett in China gefertigt werden. Es ist seit Jahren ein offenes Geheimnis, dass Daimler mit massiven Kostenproblemen zu kämpfen hat, weshalb die Fertigung durch Geely mit seinen kostengünstigen Strukturen ein willkommenes Kostensenkungsprogramm in Höhe von mehreren Millionen € bescheren kann.

Wer wird mit nach China genommen?

Es sieht danach aus, dass mit den Lieferketten vor Ort gebrochen werden soll. Es ist unwahrscheinlich, dass deutsche Zulieferprodukte mit nach China genommen werden. So wird dann auch die Kooperation zwischen Daimler und Renault hinsichtlich der Lieferung von Motoren beendet werden. Wohl dem deutschen bzw. europäischen Zulieferer, der in China bereits einen Fuß in der Türe hat. Was aber machen die vielen KMU-Zulieferbetriebe in Deutschland? Es gäbe sehr wohl Perspektiven, wenn sich die politischen Rahmenbedingungen zugunsten von Alternativstrategien für die betroffene Zulieferindustrie ändern würden. Außenwirtschaftlich erlebt Europa gerade eine Hängepartie zwischen den USA und China, die sich wohl noch länger hinziehen wird und die auf jedes einzelne EU-Mitgliedsland mehr oder weniger stark zurückfällt. Was die deutsche Politik an Entscheidungen nicht zustande bringt, erledigen deutsche Automobilbauer, indem sie ihre eigenen privatwirtschaftlichen Wege gehen. Zurzeit zugunsten China und nicht der USA, womit politischen Weichenstellungen in die eine oder andere Richtung quasi zuvorgekommen wird.

Je eher man sich der Untreue bewußt wird, desto eher kann gehandelt werden.

Die Politik wird in dieser Entwicklung der unzuverlässigste Partner sein und auch Subventionen werden diese Abwanderung in Schlüsselbereichen nicht auffangen können. Je eher sich KMUs des drohenden Vakuums bewußt werden, desto schneller können sie neue Perspektiven entwickeln unter der Voraussetzung, dass eine weitreichende Wandelbereitschaft vorhanden ist. Je kleiner ein Betrieb ist, desto mehr Chancen liegen für sie in einer Neuorientierung mit Focus auf nationale und europäische Standortvorteile. Europa ist zudem der größte Binnenmarkt der Welt mit einem Anteil von derzeit 33 % an der globalen Wirtschaftsleistung. Vorhandene Potentiale, die China noch nicht hat, sollten genutzt und massiv ausgebaut werden. Auch wenn der außenwirtschaftliche Zusammenhalt nicht gegeben ist und Europa derzeit droht, zwischen die wirtschaftlichen Räder der beiden Großmächte USA und China zu geraten, es bleiben immer noch die privatwirtschaftlichen Initiativen in diesem riesigen Wirtschaftsraum wie auch buchstäblich vor der eigenen deutschen Türe. Allerdings ist allein zeitlich langsam aber sicher Gefahr im Verzug, weil China die Absichten der führenden Automobilbauer erkannt hat die Entwicklung und Produktion von E-Fahrzeugen in Deutschland vorerst in Deutschland und im nahen Ausland belassen zu lassen und bereits mit ersten Ansiedlungen von Batteriefabriken begonnen hat. Auch daraus kann sich wieder Chance für ansässige Zulieferbetriebe ergeben, allerdings ist China durch sein globales Machtstreben langfristig unberechenbar.

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China baut in Deutschland Giga Factory für Batteriezellen.

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